Freitag, 10. Juni 2011

Momentaufnahme


Ich sitze rauchend am Fenster, ausgeglichen und ohne lästige Gedanken an dich.

Diese Momente des Einklangs und der Ruhe fehlten mir, ich genieße sie in vollen Zügen, spüre die Ruhe in meinem amgeknacksten Herzen, bemerke, wie es nach all dem Drama endlich zu heilen beginnt. Mein Blick wandert umher,fällt auf die verlassene Straße. Die Straße, auf der du mich schon unzählige Male verlassen hast.
In weniger als einer Sekunde ist alles wieder da. Mein Herz pocht, meine Muskeln verkrampfen sich und der Schmerz breitet sich in mir aus.Schmerz, Enttäuschung, Wut-alles baut sich in mir auf, bringt meinen Kopf zum zerspringen, meinen Körper erschüttert ein unkontrollierbares Zittern und ich weiß, wenn ich mich jetzt nicht zusammenreiße, ist das abgeschworene Wasser in meinen Augen nicht mehr zu halten. Ich spüre die Scham in meine Wangen fließen, will das Erröten verstecken, am liebsten mich gleich mit, irgendwohin,wo es dich nicht gibt. Irgendwohin, wo du endlich aus meinen Gedanken verschwindest und meinen von dir befallenen Körper verlässt. Du bist wie eine unheilbare Krankheit, wie das Böse, das einen mit süßer Zunge verführt und dann nicht mehr loslässt, quält, verletzt und sich den Schaden genüsslich ansieht, ohne mit der Wimper zu zucken. Bitte,lass mich doch endlich gehen,lass mich frei, ertappe ich mich flüsternd flehen.
Der gesenkte Blick erkennt den von Straßenlampen erleuchteten Eingang meines Hauses. Meine Gedanken spulen zurück bis an den Tag vor zwei Jahren, als ich noch bedeutend für dich war. Wir weinten, beide, von unseren Gefühlen schlichtweg überfordert, du nahmst mich in den Arm und ich wünschte, ich hätte dich nie losgelassen. Es war, als bliebe die Zeit stehen, die sonst so schnell an uns vorbeirast. Es war ein Moment der Ewigkeit, ein Moment, der Wahrheit, nichts Gestelltes oder Halbherziges. Es gab kein du und ich es gab nur ein wir. Erinnerst du dich, wie schön es damals war?
Alles ist vergänglich, das hör ich so oft und jedes Mal dreht es mir den Magen um. Nein, hört ihr, nein, wahres und aufrichtiges ist nicht vergänglich, es bleibt, es MUSS bleiben. Ich habe meine Jugend für den, den ich für den Einen hielt, geopfert und ihr wollt mir sagen,es wäre vergänglich?Ist es dann nicht umsonst gewesen, überflüssig? Können Gefühle überflüssig sein?
Ich war stark, ich habe gekämpft, ich kam an meine Grenzen, als ich für dich immer unwichtiger, bedeutungslos wurde. Ich zerbrach, als du dich nach Sex sehntest, während ich trauerte. Und langsam frage ich mich, ob ich nicht zuviel von dir erwartete.Nur weil ich alles für dich getan hätte, kann ich nicht umstandslos annehmen, dass du es auch für mich tätest.
Ich liebte dich, ich liebe dich und du..mochtest mich. Nanntest mich deine beste Freundin und obwohl du mich küsstst,mit mir schliefst, gingen deine Gefühle nie darüber hinaus, nicht wahr?
Mit Kummer  in der Seele und einem sich vor Leere zusammenziehenden Herzen-schließlich bist du daraus ausgebrochen, als du wegranntest, lege ich mich in mein Bett, das mir so viel zu groß und breit vorkommt. Ich verkrieche mich in eine Ecke, spüre die Wand an meinem Rücken und schlafe ein, ohne geweint zu haben. Langsam geht's bergauf.

3 Kommentare:

  1. Bis auf den letzten Absatz klingt das alles so nach mir. Und schon wieder steigen mir Tränen in die Augen, weil ich auch grade rauchend auf meinem Fensterbrett sitze und probiere den Kopf freizubekommen.

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In Dankbarkeit für jedes Kommentar, das hilft oder mir ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert!Danke!:)